Können die Leugner des Klimawandels die Erd-Erwärmung aufhalten?

Fakten zum Klimaschutz-Skeptizismus in Deutschland Klimaschützer, die sich für aktuelle Forschungsergebnisse interessieren, können seit Jahren auf reichlich Lesestoff zurückgreifen. Es erschienen zahlreiche Studien, die den Rückgang des öffentlichen Interesses an Klimaschutz-Fragen und den parallelen Anstieg des sogenannten „Klimaschutz-Skeptizismus“ analysieren. Viele Beobachter halten die hiermit angesprochene, von dem amerikanischen Soziologen Riley E. Dunlap beschriebene „Produktion von Zweifel“ für ein typisch US-amerikanisches oder angelsächsisches Phänomen.   Mit der Veröffentlichung des sogenannten „Hockeyschläger-Verlauf“ der Klimageschichte begannen im Jahr 1999 die Kampagnen von Klimawandel-Leugnern gegen die Verbreitung der Ergebnisse der Klimaforschung. Die Hockeyschläger-Kurve von 1999 ist blau eingezeichnet, die grünen Punkte basieren…

Fakten zum Klimaschutz-Skeptizismus in Deutschland

Klimaschützer, die sich für aktuelle Forschungsergebnisse interessieren, können seit Jahren auf reichlich Lesestoff zurückgreifen. Es erschienen zahlreiche Studien, die den Rückgang des öffentlichen Interesses an Klimaschutz-Fragen und den parallelen Anstieg des sogenannten „Klimaschutz-Skeptizismus“ analysieren. Viele Beobachter halten die hiermit angesprochene, von dem amerikanischen Soziologen Riley E. Dunlap beschriebene „Produktion von Zweifel“ für ein typisch US-amerikanisches oder angelsächsisches Phänomen.

 

Mit der Veröffentlichung des sogenannten „Hockeyschläger-Verlauf“ der Klimageschichte begannen im Jahr 1999 die Kampagnen von Klimawandel-Leugnern gegen die Verbreitung der Ergebnisse der Klimaforschung. Die Hockeyschläger-Kurve von 1999 ist blau eingezeichnet, die grünen Punkte basieren auf kürzlich veröffentlichten neuen Daten (PAGES 2K-Projekt) die rote Kurve auf Daten der Climate Research Unit in Großbritannien. (Abbildung: Climate Research Unit)

Klimawandel-Bewusstsein auf wackeligen Beinen

In Deutschland gilt das Wissen um die Zusammenhänge von Treibhausgas-Emissionen und zunehmendem Klimawandel als fest im öffentlichen Bewusstsein verankert. Ist diese Beurteilung begründet? Es gibt Zweifel. Im Frühjahr 2013 hatt

en Forscher rund um die Soziologie-Professorin Anita Engels vom KlimaCampus der Universität Hamburg eine umfassende Untersuchung dieses „Klimawandel-Bewusstseins“ veröffentlicht. Bei ihrer Studien-Auswertung kommen die Forscher zu dem Ergebnis, dass sich Befragte in der Mehrheit kaum offen zu einem „Klima-Skeptizismus“ bekennen. Dennoch rechnen die Wissenschaftler mit Behinderungen der „Energiewende“ durch kritische Positionen in der Bevölkerung. Einen einfachen Umbau der Energieversorgung sehen sie unter anderem durch die Ablehnung weiter steigender Energiekosten und durch den zukünftigen lokalen Protest gegen den Bau energietechnischer Anlagen gefährdet. Darüber hinaus attestieren die Forscher der Bevölkerung, dass ihr das erforderliche alltagstaugliche Klimaschutzwissen fehlt. – Offenbar steht das Klimawandel-Bewusstsein der deutschen Öffentlichkeit auf „wackeligen Beinen“.

Zusammen mit Kollegen vom KlimaCampus der Universität Hamburg veröffentlichte die Soziologie-Professorin Anita Engels im Frühjahr eine Untersuchung des „Klimawandel-Bewusstseins“ in der Bundesrepublik. Obwohl sich nur eine Minderheit offen zu einem „Klima-Skeptizismus“ bekennt, rechnen die Wissenschaftler mit Behinderungen der „Energiewende“ durch kritische Positionen in der Bevölkerung. (Abbildung: Universität Hamburg)

 

Klima-Skeptiker tummeln sich im Buchmarkt und im Internet.

In den letzten Jahren hatten andere Studien bereits gezeigt, dass die Besorgnis der Bevölkerung über den Klimawandel in der Folge der Finanz- und Wirtschaftskrise merklich stagnierte. Inzwischen werden die Folgen der zukünftigen Klimaveränderungen zwar wieder ernster genommen. Doch es gibt neue Formen der „Klimawandel-Skeptik“, welche die Akzeptanz von Klimaschutz-Maßnahmen schwächen. So analysiert der bereits erwähnte amerikanische Soziologe Riley E. Dunlap in einer vor kurzem veröffentlichten Studie den internationalen Trend „Klima-skeptischer“ Publikationen. Er beobachtet eine Welle wissenschaftskritischer Klimawandel-Bücher. Kennzeichen dieser „Leugnungs-Literatur“ ist, was sich auch in Deutschland an den stark vermehrt publizierten Klima-skeptischen Büchern beobachten lässt: Diese „Werke“ stammen von fachfremden Autoren, die nicht den Mainstream der Klima-Forschung vertreten. Ihre Texte wurden darüber hinaus nicht, wie unter ernsthaften Forschern üblich, einem peer-review-Prozess unterworfen – stellen also „private Meinungsäußerungen“ dar.

Der Psychologe Stephan Lewandowsky von der University of Western Australia untersucht in einer ebenfalls in diesem Jahr herausgegebenen Studie ein weiteres Feld, das Klima-Skeptiker für die Meinungsgestaltung der Öffentlichkeit beackern: Internet Blogs sind in den letzten Jahren verstärkt zu Plattformen des Zweifels am Klimawandel geworden – Blogger übernehmen eine Vorreiter-Rolle bei der Infragestellung von Forschungsergebnissen, wobei sie die absurde Legende einer „Verschwörung“ der Mainstream-Klimaforscher spinnen. Der „Klimawandel-Ethnologe“ Werner Krauss vom Helmholtz Zentrum Geesthaacht berichtet, dass die Diskussion Klima-skeptischer Themen längst auch in der deutschen „Blogosphäre“ heimisch geworden ist. Beiträge auf Klimawandel-Weblogs erhalten laut Krauss ein enorm großes Echo.

Keine Treibhausgasemission-reduzierte Gesellschaft ohne transparente Kommunikation

Es sind oft prominente Vertreter der Klimawissenschaften, die versuchen, mit ihren eigenen Blogs gegenzuhalten. Einer von ihnen ist Stefan Rahmstorf, deutscher Ozeanograph, Klimaforscher und Professor an der Universität Potsdam. Seit Jahren zeigt er immer wieder Beispiele dafür auf, wie „Klimaskeptiker“ mit unseriösen Scheinargumenten Zweifel an bestens gesicherten Erkenntnissen der Klimaforschung sähen.

In einem Gespräch während der Recherchen für diesen Beitrag  verweist er auf Analysen in der Scientific Community, die belegen, dass annähernd 98 % der Klimaforscher von der Evidenz der anthropogenen globalen Erwärmung überzeugt sind. Dass Vertreter der 2%-Restgruppe mit häufig unterdurchschnittlicher Expertise in den Medien aus Ausgewogenheits-Gründen immer wieder breites Gehör findet, hält Rahmstorf für schädlich:

„Viele Menschen sind verunsichert und wissen nicht mehr, was sie glauben sollen. Sie meinen, die Ursachen des Klimawandels seien unter Experten immer noch umstritten. Diese Fehleinschätzung behindert und verzögert eine effektive Klimaschutzpolitik bis heute.“

Ines Weller, Professorin am Forschungsinstitut Nachhaltigkeit, Universität Bremen, weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass die Debatten über den Klimawandel anders als über Umwelt- und Naturschutz typischerweise durch Skepsis, Unsicherheiten und mangelndes Vertrauen geprägt sind. Eine Klimawandel-Debatte, die keine Akzeptanz und Transparenz erreichen kann, droht deshalb die Durchsetzung Klimawandel-bezogener Verhaltensänderungen in der Bevölkerung zu behindern. Ohne eine überzeugende Klimawandel-Kommunkation ist die kostspielige „Transformation“ in eine Treibhausgasemission-reduzierte Gesellschaft offenbar unerreichbar. Dabei steckt der Teufel im Detail, ist die Überzeugung von Kommunikations-Verantwortlichen aus der Industrie, beispielsweise von Dr. Joachim Fleing – Investor Relations Representative der Phoenix Solar AG:

„Klare und korrekte Aussagen der Meinungsführer in Politik und Medien sind beispielsweise notwendig, um die Rolle der ‚Ausgleichsmechanismusverordnung‘ von 2010 offenzulegen: Durch sie wurde die EEG-Umlage vom Ausbau der erneuerbaren Energien abgekoppelt und ihr rapider Anstieg erst erzeugt. Und dieser Anstieg kommt gerade nicht der Bevölkerung oder den Erzeugern erneuerbarer und Klimagas-befreiter, sondern denen konventioneller Energie zugute.“

 

Ausgewählte Quellen

  • Klima-Campus der Universität Hamburg https://www.klimacampus-hamburg.de/start/
  • Riley E. Dunlap
    Riley E. Dunlap and Peter J. Jacques; Climate Change Denial Books and Conservative Think Tanks: Exploring the Connection, 2013 57 American Behavioral Scientist 2013 57: 699 – https://journals.sagepub.com/doi/abs/10.1177/0002764213477096
  • Stephan Lewandowsky
    Stephan Lewandowsky, Klaus Oberauer, Gilles E. Gignac;
    NASA Faked the Moon Landing—Therefore, (Climate) Science Is a Hoax: An Anatomy of the Motivated Rejection of Science – March 26, 2013
    https://journals.sagepub.com/doi/abs/10.1177/0956797612457686
  • Sechs Empfehlungen, wie eine bessere Klima-Kommunikation mehr Menschen in ihrem Alltag erreicht und den Klimaschutz voranbringt, hat Prof. Dr. Michael Brüggemann formuliert. https://www.clisap.de/de/clisap/ueber-uns/news/detail/sechs-thesen-fuer-eine-konstruktive-klima-kommunikation/
  • Anita Engels
    Anita Engels, Otto Hüther, Mike Schäfer, Hermann Held
    Public climate-change skepticism, energy preferences and political participation
    https://doi.org/10.1016/j.gloenvcha.2013.05.008
  • Stefan Rahmstorf
    University of Potsdam, Institute of Physics and Astronomy – Head of Earth System Analysis
    http://www.pik-potsdam.de/~stefan/
  • Heinz W. Droste; “Klimawandel: Gegen die Vernunft“, in: Sonne Wind & Wärme 10/2013, S. 10
  • Heinz W. Droste; Turn of the Tide – Gezeitenwechsel; Alibri Verlag, 2015, S. 28-37
  • Heinz W. Droste; RQ – Entfessele Dein bestes Denken, Pedion Verlag, 2022, S. 444-468
  • Forschungsinstitut Nachhaltigkeit, Universität Bremen, Prof. Dr. Ines Weller
    https://www.uni-bremen.de/de/artec/mitglieder/prof-dr-ines-weller.html

Autor: Heinz W. Droste

Ähnliche Beiträge

  • Dunning-Kruger-Effekt: So lässt sich Inkompetenz bändigen!

    Die Tragik der Unfähigkeit: Blind gegenüber der eigenen Beschränktheit Stellen Sie sich auch manchmal diese Fragen? Wie kommt es, dass es uns oft nicht gelingt, in der Zusammenarbeit etwa mit Kollegen zu einem befriedigenden gemeinsamen Ergebnis zu kommen? Obwohl wir doch über bestens bewährtes – sogar empirisch-wissenschaftlich geprüftes – Wissen verfügen? Warum gelingt es nicht, dieses solide Wissen in erfolgreiches Handeln umzumünzen? Was geht da schief? Viele unterschiedliche Gründe ließen sich dafür auflisten. Eine besonders prägnante und ständig wieder auftauchende Ursache stellt die Unqualifiziertheit von Personen dar, die ihre Fähigkeiten systematisch überschätzen. Diese Inkompetenz hat das Potenzial, den…

  • Was bereits Kleinkinder ChatGPT voraushaben

    ChatGPT und Konsorten basieren auf „schwacher KI“. Dies ist bereits der zweite Beitrag zum Thema künstliche Intelligenz auf diesem Weblog: In einem vorausgehenden Post ging es um Erfahrungen im Rahmen eines intensiven Tests von ChatGPT. Ergebnis war: Legen wir tatsächlich als Standard menschliches Denken und menschliche Möglichkeiten zugrunde, rationale Überlegungen einzusetzen, zeigt sich die Beschränktheit aktueller KI-Applikationen. Die mit statistischen Algorithmen arbeitenden „Elektronenhirne“ sind beispielsweise nicht in der Lage, für Menschen konzipierte Rationalitäts-Tests korrekt zu lösen. Logisches Schlussfolgern beherrscht das System höchst unvollkommen. Als Fazit kann festgehalten werden: Wer ChatGPT fest genug „schüttelt“, stößt schnell auf grundlegende Mängel…

  • Irrwege des Ruhms: Wenn Experten und Intellektuelle in der Krise öffentlich Meinung machen

    Angesichts der Corona-Pandemie hat die internationale Wissenschaftsgemeinschaft beeindruckende Tatkraft bewiesen und in kürzester Zeit große Erkenntnisfortschritte beispielsweise rund um die Wirkmechanismen beim Eindringen in den menschlichen Körper erreicht. Wer etwa Mitglied der American Association for the Advancement of Science (AAAS) – der weltweit größten Wissenschafts-Gesellschaft – ist, konnte anhand des Science-Newsletters und der wöchentlichen Ausgabe des Wissenschafts-Magazins Science just-in-time am ständigen Erkenntniswachstum teilhaben. Die AAAS hatte dazu eine spezielle COVID-19-News-Rubrik eingerichtet, die auch heute am 8. September 2020 ständig aktualisiert in Funktion ist. Einer der Slogans der AAAS lautet „Now is the Time to Listen to Science” –…

  • Hilfe! – Wir leben in der „Postfaktizität“!

    Seit einiger Zeit ist es in Kreisen bildungsbeflissener Konsumenten überregionaler Feuilletonseiten en vogue, darüber zu diskutieren, wir lebten in postfaktischen Zeiten – eine Perspektive, die als bedrückend empfunden wird. Zum einen bekümmert diese Menschen – mehr oder weniger tiefgründig –, dass Mitbürger – möglicherweise auch sie selbst – sich nicht mehr um Fakten kümmern, sondern vor allem Gefühlen folgen. Parallel schauen sie auf die mediale Präsentation von Politik und vermuten dort die Existenz einer „politischen Postfaktizität“. Worum es sich hierbei handeln soll, bleibt bei Diskussionen um Postfaktizität als politisches Phänomen oft unklar: Ist „Postfaktizität“ tatsächlich ein neues Phänomen?…

  • Psychotherapie per Smartphone-App?

    Psychologen an der Universität Zürich erforschen die Gestaltbarkeit von Persönlichkeiten. „Menschen wollen eine aktive Rolle bei ihrer Persönlichkeitsentwicklung spielen.“ – Das ist der Ausgangspunkt eines Fachartikels, den die beiden Psychologie-Professoren Mathias Allemand und Christoph Flückiger von der Universität Zürich kürzlich im Fachmagazin einer großen amerikanischen psychologischen Gesellschaft veröffentlicht haben. (1) In ihrem Artikel geht es im Detail um die Möglichkeit, Individuen mit Digitaltechnologie auszustatten, die beispielsweise auf deren Smartphones läuft. Hintergrund ist: Smartphones sind in der Regel stets nah bei ihren Besitzern und können so die Rolle eines „digitalen Coaches in der Tasche“ übernehmen, der in alltäglichen Kontexten Anleitung…

  • Zum hundertsten Geburtstag: „Mario Bunge: A Centenary Festschrift“

    „Mario Bunge: A Centenary Festschrift“ Der international renommierte Wissenschaftsverlag Springer hat in diesen Tagen den mehr als 800 Seiten umfassenden Band „Mario Bunge: A Centenary Festschrift“ [Matthews, Michael R. (Hg.): Mario Bunge: A Centenary Festschrift, Springer Nature Switzerland: 2019. ] veröffentlicht. Herausgeber ist Michael R. Matthews – Honorarprofessor an der School of Education der University of New South Wales. Worum geht es in dem voluminösen Band? Es handelt sich um die 41 Kapitel umfassende Festschrift zu Ehren Mario Bunges, der in diesem Jahr – am 21. September – seinen 100. Geburtstag feiert. Das Buch, an dem Wissenschaftler aus…

Schreibe einen Kommentar