• Psychotherapie per Smartphone-App?

    Psychologen an der Universität Zürich erforschen die Gestaltbarkeit von Persönlichkeiten. „Menschen wollen eine aktive Rolle bei ihrer Persönlichkeitsentwicklung spielen.“ – Das ist der Ausgangspunkt eines Fachartikels, den die beiden Psychologie-Professoren Mathias Allemand und Christoph Flückiger von der Universität Zürich kürzlich im Fachmagazin einer großen amerikanischen psychologischen Gesellschaft veröffentlicht haben. (1) In ihrem Artikel geht es im Detail um die Möglichkeit, Individuen mit Digitaltechnologie auszustatten, die beispielsweise auf deren Smartphones läuft. Hintergrund ist: Smartphones sind in der Regel stets nah bei ihren Besitzern und können so die Rolle eines „digitalen Coaches in der Tasche“ übernehmen, der in alltäglichen Kontexten Anleitung…

  • In die Irre geführt: Solide und gefälschte Quellenangaben unterscheiden lernen

    Wir werden laufend mit wichtigen, entscheidungsrelevanten Informationen konfrontiert – häufig im Rahmen der Nutzung des Internets und von Social Media.

    Dabei können wir uns nicht immer auf das verlassen, was als angebliche Tatsachen präsentiert wurde: Unterschiedliche Quellen können einander widersprechen, und manchmal gibt es trotz anderslautender Behauptungen der Absender keine dahinterliegende Wahrheit

  • Kreativität für Kommunikation – Workshop-Serie

    Manch einer liebäugelt mit der Sicherheit von Routinen. Holzhacken ist deshalb so beliebt, weil man bei dieser Tätigkeit den Erfolg sofort sieht. Albert Einstein Der besondere Reiz und die Faszination, den Berufe rund um die Gestaltung der Kommunikation auf viele Zeitgenossen und insbesondere auf junge Menschen ausüben, liegen aus meiner Sicht in einer idealisierten und letztlich unrealistischen Vorstellung von Kreativität. Außenstehende stellen sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Zeitungs– und TV–Redaktionen, in Werbe–Agenturen und PR–Agenturen als hochkreative Menschen vor, die der höchst befriedigenden Aufgabe, die Welt täglich kommunikativ neu zu erfinden, durch besonderes gestalterisches und sprachliches Talent gewachsen…

  • Kreativität für Kommunikation – Workshop Teil 2

    Bewegliche Gehirne erforderlich! Im vorhergehenden Beitrag habe ich auf der Basis von Agentur- und Projekterfahrungen sowie aufgrund von Diskussionen mit Kommunikations-Fachleuten ein paar Hintergründe zum Umgang mit kreativen »Kommunikationslösungen« erläutert – vorläufiges Fazit: Kreativität ist ohne spezielle eingeübte Herangehensweisen und Kompetenzen kaum erreichbar. Was im Einzelnen dahintersteckt, wird in diesem und weiteren Blog-Posts präsentiert. Als nächster Schritt dieser »Kreativitäts-Serie« komme ich zunächst zu einer »Theorie« kreativen Denkens. Aus meiner Sicht ist es so: Wer nicht weiss, wie unser Denken funktioniert und welche Rolle Interaktions-Prozesse in Teams funktionieren, hat kaum eine Chance in seinem Umfeld tatsächlich kreative Dinge zu…

  • Kreativität für Kommunikation – Workshop Teil 3

    Die plastische soziale Matrix Im vorhergehenden Blog-Post haben wir gesehen, dass kreative Ideen und deren Umsetzungen plastische Hirne voraussetzen. Deren Plastizität und Operationsweisen sind eng verbunden mit Interaktionen in den Beziehungs-Netzwerken, in denen wir uns aufhalten und in denen wir nach kreativen Lösungen suchen. Wenn wir in der Folge ein Verfahren für die kreative Entwicklung von Problem­lösungen entwickeln, bekommen wir es vor diesem Hintergrund mit zwei grundlegenden Herausforde­rungen zu tun: Zum einen haben wir eine Technologie bereitzustellen, mit Hilfe derer wir die Gehirne begabter Menschen anregen können, gezielt neue neuronale Sys­teme zu entwickeln, welche die Basis neuer Denkweisen…

  • Kreativität für Kommunikation – Workshop Teil 4

    Die Kreativ-Konferenz Im letzten Blog-Post haben wir anhand von Bales’ Visualisierung von Interaktionsprozessen gesehen, dass effektiv arbeitende Teams kreative neue Lösungsansätze in der Regel verhindern. Gerade ansonsten effektiv arbeitende Teams brauchen offenbar mehr als guten Willen, um sich aus ihren Routinen herauszulösen. Wir müssen davon ausgehen, dass enga­giert arbeitende Teams in der Alltagsarbeit selbstgesteuert nicht in der Lage sind, neue Vorgehensweisen und innovative Problemlösungen zu „produzieren“. Offenbar hat selbst der „kreativste Chef“ einer hochproduktiven Arbeits­gruppe keine Chance, in der Alltags-Arbeitsroutine Ergebnisse zu erreichen, die nach üblichen Maßstäben als kreativ beurteilt werden. Um zu solchen Arbeitsresultaten zu kommen, müssen…

  • Irrwege des Ruhms: Wenn Experten und Intellektuelle in der Krise öffentlich Meinung machen

    Angesichts der Corona-Pandemie hat die internationale Wissenschaftsgemeinschaft beeindruckende Tatkraft bewiesen und in kürzester Zeit große Erkenntnisfortschritte beispielsweise rund um die Wirkmechanismen beim Eindringen in den menschlichen Körper erreicht. Wer etwa Mitglied der American Association for the Advancement of Science (AAAS) – der weltweit größten Wissenschafts-Gesellschaft – ist, konnte anhand des Science-Newsletters und der wöchentlichen Ausgabe des Wissenschafts-Magazins Science just-in-time am ständigen Erkenntniswachstum teilhaben. Die AAAS hatte dazu eine spezielle COVID-19-News-Rubrik eingerichtet, die auch heute am 8. September 2020 ständig aktualisiert in Funktion ist. Einer der Slogans der AAAS lautet „Now is the Time to Listen to Science” –…

  • „Medical Philosophy“: Ein multidisziplinäres Modell menschlicher Gesundheit

    Mario Augusto Bunge, argentinischer Philosoph und Physiker, veröffentlicht im Juli 2013 sein neues Buch „Medical Philosophy: Conceptual Issues in Medicine“. Ich hatte die Gelegenheit, eine ganze Reihe interessanter Kapitel dieses Buchs vorab zu lesen und durchzuarbeiten. Aufgrund dieses Einblicks möchte ich interessierten Lesern die Möglichkeit geben, sich vorab einen Eindruck von dieser Neuveröffentlichung zu verschaffen:   Bunges „Medical Philosophy“ im Überblick Bei Bunges Buch handelt es sich wahrscheinlich um das erste Medizin-philosophische Werk, das die grundlegenden Konzepte der Medizin systematisch analysiert und diskutiert. Bunge beschränkt sich bei seiner Untersuchung nicht auf die Einzelaspekte, die in der Literatur sonst…

  • Ein Virus hat unsere Eliten im Griff: Der Myside-Bias – Interview mit Keith E. Stanovich

      Internationales Renommee bei der Erforschung des rationalen Denkens Keith E. Stanovich gehört zu den meistzitierten zeitgenössischen Psychologen. Beispielsweise sein klassischer Artikel aus dem Bereich der Entwicklungs-Psychologie über den Matthäus-Effekt in der Bildung wurde in der wissenschaftlichen Literatur über 1.500 Mal zitiert. – In der letzten Zeit haben der Wissenschaftler und sein Team sich auf die menschliche Rationalität konzentriert und deren besondere Rolle als kognitive Kompetenz neben der Intelligenz herausgearbeitet. In diesem Zusammenhang prägte Stanovich unter anderem den Begriff Dysrationalität, um die Neigung von Individuen zu bezeichnen, irrational zu denken und handeln, obwohl sie über ausreichende Intelligenz verfügen….

  • The virus of myside bias is spreading among cognitive elites – Interview with Keith E. Stanovich

    Introduction – exploration of rational thought Keith E. Stanovich is one of the most cited contemporary psychologists. For example, his classic article from the field of developmental psychology on the „Matthew effect in education“ has been quoted more than 1,500 times in the scientific literature. – In recent times, the scientist and his team have focused on human rationality and their special role as cognitive competence in addition to intelligence. In this context, Stanovich coined the term dysrationalia to describe the tendency of individuals to think and act irrationally even though they possess sufficient intelligence. In their last…