Visuelle Aufmerksamkeit erhöht die subjektiv empfundene Emotionalität von Bildern

Emotion versus Aufmerksamkeit The relative intensity of two sensations may be changed when one of them is attended to and the other is not. William James (1) Wie Emotion ist Aufmerksamkeit ist ein wichtiges Konzept,eine grundlegende psychische Funktionen: Unsere tägliche Erfahrung ist dadurch geprägt, welche Objekte wir aufmerksam wahrnehmen. Es stellt sich die Frage, wie sich die psychischen Funktionen Emotion und Aufmerksamkeit im Einzelnen gegenseitig beeinflussen. – Von der Psychologie bereits bestätigt ist, dass Emotionen den Grad der Aufmerksamkeit gegenüber Erfahrungsinhalten erhöhen – etwa gegenüber Bildern. Die Autoren der hier zusammengefassten Studie haben die umgekehrte Kausalität untersucht und…

Emotion versus Aufmerksamkeit

The relative intensity of two sensations may be changed when one of them is attended to and the other is not.

William James (1)

Wie Emotion ist Aufmerksamkeit ist ein wichtiges Konzept,eine grundlegende psychische Funktionen: Unsere tägliche Erfahrung ist dadurch geprägt, welche Objekte wir aufmerksam wahrnehmen.

Es stellt sich die Frage, wie sich die psychischen Funktionen Emotion und Aufmerksamkeit im Einzelnen gegenseitig beeinflussen. – Von der Psychologie bereits bestätigt ist, dass Emotionen den Grad der Aufmerksamkeit gegenüber Erfahrungsinhalten erhöhen – etwa gegenüber Bildern.

Die Autoren der hier zusammengefassten Studie haben die umgekehrte Kausalität untersucht und eine Antwort auf die folgende Frage versucht:

Intensiviert Aufmerksamkeit die subjektiv wahrgenommene Emotionalität von Wahrnehmungsinhalten?

Der untersuchte Zusammenhang beschäftigt die Psychologie seit ihren Anfängen:

Gustav Theodor Fechner (1801 – 1887) – deutscher Psychologe, Physiker, Naturphilosoph und international geschätzt als Begründer der Psychophysik – bezweifelte, dass Aufmerksamkeit die subjektive Erfahrung verändert.

Gustav Theodor Fechner

Demgegenüber war William James (1842 – 1910) davon überzeugt, dass dieser Zusammenhang besteht, so deutet es das Zitat eingangs dieses Posts an. – James gilt sowohl als Begründer der Psychologie in den USA als auch als einer der wichtigsten Vertreter des philosophischen Pragmatismus.

 

Psychologe William James, im Jahr 1906.

 

Die hier vorgestellte Studie konnte James’ Ansicht bestätigen, dass Aufmerksamkeit die Wahrnehmungserfahrung intensiviert.

 

ZUSAMMENFASSUNG DER STUDIENERGEBNISSE: AUFMERKSAMKEIT STEIGERT EMOTIONALITÄT

Die Experimente der Autoren zeigten, dass die absichtliche Aufmerksamkeit die wahrgenommene emotionale Intensität bei Probanden erhöhte. Die im Rahmen der Untersuchungen verwendeten Fotos wurden mit größerer Emotionalität betrachtet und außerdem differenzierter wahrgenommen.

Interessantes weiteres Ergebnis der Experimente war, dass Aufmerksamkeit zwar mit einer deutlichen intensiveren Emotionalität verbunden war, dass betrachtete Bildinhalte gleichzeitig aber nicht sympathischer erschienen.

Es zeigte sich im Detail, dass die durch Aufmerksamkeitsmanipulation erreichte erhöhte emotionale Intensität bei Bildern größer war, die gefühlsmäßig „neutrale“ Inhalte darstellten.

Bei Bildern, die an sich bereits Inhalte darstellten, die positiv oder negativ besetzt sind, war die Emotions-intensivierende Wirkung der Aufmerksamkeit deutlich geringer. – Die Forscher vermuten, der Grund dafür könnte sein, dass es schwieriger ist, die Aufmerksamkeit und Unverwechselbarkeit von Bildern zu manipulieren, die an sich schon aufmerksamkeitsstark und unverwechselbar sind.

 

Welchen Erkenntnisgewinn ergab die Studienergebnisse?

Die Autoren nehmen unter anderem Folgendes an – indem sie veranschaulichten, dass freiwillige Aufmerksamkeit die wahrgenommene emotionale Intensität erhöht, beleuchten sie bisher ungeklärte Zusammenhänge, die verschiedenen psychologischen Phänomenen zugrunde liegen:

Die Ergebnisse deuten wie gesehen darauf hin, dass die bloße Ausrichtung der bewussten Aufmerksamkeit auf Fokusobjekte diese emotional intensiver erscheinen lässt.
Im Rahmen des sogenannten Aufmerksamkeits-Drift-Diffusionsmodell wird angenommen, dass Aufmerksamkeit in Entscheidungssituationen die Wahl von Akteuren beeinflusst, indem sie bewirkt, dass sich die Menge an Informationen erhöht, die Menschen aufgrund erhöhter Aufmerksamkeit über betrachtete Handlungsoptionen ermitteln.
Die Ergebnisse der veröffentlichten Forschung deuten nun darauf hin, dass Entscheidungsträger auf Alternativen fokussieren, die in Betracht gezogen werden, nicht nur weil sie mehr Informationen darüber haben, sondern auch weil sie darauf stärker emotional reagieren.
Als Fazit halten die Autoren Folgendes fest: Bisher konnte die Psychologie bereits ermitteln, dass Emotionen die Aufmerksamkeit verstärken. Die vorliegenden Ergebnisse liefern Hinweise auf folgendes Phänomen: Aufmerksamkeit kann umgekehrt die Erfahrung von Wahrnehmungsinhalten verändern, indem bewusstes aufmerksames Wahrnehmen zu einer emotionalen Besetzung von Wahrnehmungs-Inhalten führt.

(1) James, W. (1952). Principles of psychology. Chicago, IL: William Benton, Encyclopedia Britannica. (Original veröffentlicht 1890)

Forschungsartikel: Daten

In: Psychological Science 2019, Vol. 30 (6) 942-954

Herausgeber:  APS (Association for Psychological Science)

Eingereicht: 14.9.2014; Revision des Artikels akzeptiert: 9.2.2019

Autoren:

  • Kellen Mrkva – Center for Decision Sciences, Columbia University
  • Jacob Westfall – Department of Psychology, University of Texas at Austin
  • Leaf Van Boven – Department of Psychology and Neuroscience, University of Colorado Boulder

 

 

 

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